MHK Journal

21. September 2026 

Zwischen Aufschwung und Baustellen: Küchenbranche blickt wieder optimistischer nach vorn


Die Trendwende scheint geschafft. Nachdem die deutsche Küchenmöbelindustrie in den vergangenen Jahren rückläufige Umsätze verkraften musste, rechnet die Branche 2026 wieder mit Wachstum. Knapp zwei Prozent Plus sollen am Jahresende stehen. Auf der Wirtschaftspressekonferenz des Verbands der Deutschen Küchenmöbelindustrie (VdDK) in Löhne zeichnete Geschäftsführer Jan Kurth das Bild einer Branche, die zwar weiter vor großen Herausforderungen steht, deren Auftragslage sich zuletzt aber spürbar stabilisiert hat. 


In den ersten sieben Monaten des Jahres erwirtschafteten die 43 deutschen Küchenmöbelhersteller einen Umsatz von rund 3,4 Milliarden Euro. Wachstumstreiber war dabei vor allem das Auslandsgeschäft. Während der Inlandsumsatz um 1,4 Prozent zulegte, stiegen die Exporte um 2,8 Prozent. Besonders positiv entwickelten sich die Niederlande, die Schweiz, Belgien und Spanien. Dämpfer kamen dagegen aus Frankreich, Großbritannien und vor allem den USA, wo Zölle das Geschäft belasten. 


Hoffnungsträger Wohnungsbau 

Mit Blick auf die kommenden Monate macht der Branche vor allem die Entwicklung im Wohnungsbau Hoffnung. Die Zahl der Baugenehmigungen ist in den ersten sieben Monaten deutlich gestiegen. Für die Küchenindustrie kommt dieser Impuls allerdings erst mit Verzögerung an. „Zwischen Baugenehmigung und eingebauter Küche liegen bis zu 18 Monate“, machte Jan Kurth deutlich. Die Entwicklung sei deshalb zwar ein positives Signal, kurzfristig aber noch kein Konjunkturprogramm für die Hersteller. 


Bauturbo allein reicht nicht 

Grundsätzlich begrüßt der Verband die politischen Bemühungen zur Beschleunigung von Bauprojekten. Den sogenannten Bauturbo bewertet die Branche positiv. Aus Sicht des VdDK werde das allein allerdings nicht genügen. Zusätzliche Chancen sieht Kurth vor allem im Sanierungsbestand. Hier fordert der Verband stärkere steuerliche Anreize. Konkret plädiert der VdDK dafür, die sofort steuerlich geltend machbaren Erhaltungsaufwendungen bei energetischen Sanierungen von derzeit 15 auf 50 Prozent anzuheben. Entsprechende Gespräche mit der Politik laufen bereits. Das Renovierungsgeschäft gilt als wichtiger Hebel für zusätzliche Investitionen in Küchen und Einrichtung. 


Preise bleiben Risikofaktor 

Sorgen bereiten der Branche weiterhin die Kosten. Die Spannungen im Nahen Osten haben die Beschaffung wichtiger Vorprodukte verteuert. Betroffen sind unter anderem Transportdienstleistungen, Holzwerkstoffe, Metallkomponenten und Kunststoffe. Vor diesem Hintergrund bewertete Kurth die politische Entscheidung zur Entlastung bei den Kraftstoffpreisen als positives Signal. Niedrigere Kosten wirken sich nicht nur auf die Kauflaune der Verbraucherinnen und Verbraucher aus, sondern auch auf die Logistik innerhalb der Branche.


Fachkräftesicherung wird zur Zukunftsfrage 

Eine der größten Herausforderungen bleibt der Fachkräftemangel. Das Durchschnittsalter in vielen Betrieben steigt, gleichzeitig gehen zahlreiche Beschäftigte der Babyboomer-Generation in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Die Branche reagiert darauf mit Investitionen in Ausbildung und Qualifizierung. Dazu gehört die Lehrfabrik Möbelindustrie ebenso wie das kürzlich eröffnete Boardinghouse in Löhne. Das „Werre-Quartier Boardinghouse“ bietet 30 möblierte Zimmer und soll Auszubildenden sowie Fachkräften aus dem In- und Ausland den Einstieg in die deutsche Küchenregion erleichtern. 


Vorsichtiger Optimismus 

Nach drei Jahren rückläufiger Umsätze zeichnet sich damit erstmals wieder eine Trendwende ab. Die stabile Auftragsentwicklung, bessere Impulse aus wichtigen Exportmärkten und die steigenden Baugenehmigungen stimmen die Branche optimistisch. Gleichzeitig bleiben hohe Kosten, regulatorische Anforderungen und der Fachkräftemangel auf der Agenda. Die Botschaft aus Löhne fällt deshalb weder euphorisch noch pessimistisch aus: Die Küchenmöbelindustrie sieht wieder Licht am Horizont, weiß aber auch, dass der Weg zurück zu nachhaltigem Wachstum noch einige Herausforderungen bereithält. 

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